| Dreckschweinerei,
Deckschweinerei und die Stadtkasse
Leserbrief
für die Prenzlauer Zeitung zum Artikel "Deponiestreit
geht in die nächste Runde" vom Oliver Spitza am 5. 2. 10
Schwer verständliche, wenn nicht höchst widersprüchliche
Kost bekommt der Leser der Prenzlauer Zeitung über Brüssows
politischen Kampfplatz Altdeponie serviert. War im Mai 2009 noch die Aussage
von Herrn Hartwig, Leiter in der Kreisverwaltung Prenzlau zu lesen, 1998
habe ihm das Landesumweltamt Unterlagen übergeben, aus denen ersichtlich
sei, "dass die Schließung der Brüssower Deponie entsprechend
der gesetzlichen Bestimmungen durchgeführt wurde.“ Am 5. 2.
2010 dagegen hat der Stadtverordnete Siegfried Bahnweg Gelegenheit in
der PZ darzulegen, dass die Schließung der Deponie nicht vollendet
wurde. Die Stadtverordneten sollten aktuell einem Ingenieurvertrag zustimmen
, der die Stadtkasse mit 50 000 Euro belastet. Für Sicherungs- und
Nachsorgemaßnahmen an der Deponie.
Wie geht das zusammen? Nachsorge, konkret Brunnenbau und Messungen möglicher
Grundwasserbelastungen? Und das 14 Jahre nach der Schließung der
Deponie nach Recht und Gesetz, wie auch Amtsdirektor Neumann wiederholt
zu Protokoll gab? Sicherungs- und Nachsorgemaßnahmen waren aber
schon 1993 Teil des Schließungskonzeptes. So steht es im Schließungskonzept
von 1993!
Die von Herrn Hartwig genannten Unterlagen gibt es offensichtlich nicht.
Warum sonst erlegte er der Stadt Brüssow einen öffentlich-rechtlichen
Vertrag auf, Grundlage des Ingenieurvertrags, der die Nachsorgemaßnahmen
jetzt regelt? Er wurde übrigens bereits im Januar 2010 beschlossen.
Ohne dass die Stadtverordneten hinterfragten, warum er eigentlich notwendig
sei. Das wäre ihre Pflicht gegenüber den Bürgern gewesen.
Auch für S. Bahnweg kam diese Entwicklung überraschend. Seine
mühevolle Einzelkämpfer-Arbeit - gegen die Amtsverwaltung, die
ihm (vergeblich) ständig Steine in den Weg legte und die Diffamierung
als "Gerüchtemacher" einbrachte (die PZ berichtete) - hatte
ja zum Ergebnis, dass die illegale Klärschlammverkippung durch die
Firma UHU Torsten Wolffs im Jahr 1994 auf den Tisch kam aber in strafrechtlicher
Hinsicht zu spät: Verjährung! Ohne es zu ahnen hat er ein Versäumnis
in den 90er Jahren aufgedeckt. Ein Versäumnis der Amtsverwaltung
und allem Anschein nach auch der Kreisverwaltung, dass jetzt die Stadt
teuer zu stehen kommt. Die Frage der Verantwortlichkeit stellt sich zwingend.
Im Interesse der Stadt und ihres Haushaltes. Der Verdacht der Veruntreuung
von Geldern gegen Amtsdirektor steht im Raum, solange nicht Dokumente
einwandfrei Gegenteiliges belegen.
Was bisher schwer verständlich war, wird jetzt schwer erträglich.
Denn nun wird Siegfried Bahnweg, für das Debakel verantwortlich gemacht,
man höre, staune und empöre sich. Schlammschlacht in der SVV
Brüssow: Er sei für die Notwendigkeit der Maßnahmen verantwortlich,
so Herr Wolff (!), er müsse die Kosten tragen, soll der Amtsdirektor
selbst, natürlich außerhalb des Protokolls, geraunzt haben.
S. Bahnweg wird in der SVV am 9. 2. 2010 als "Dreckschwein"
tituliert und nur einer (!) in der Runde der Volksvertreter findet das
nicht in Ordnung. Sicher, S. Bahnweg mag durch seine Recherche die Kostenbelastung
der Stadt ausgelöst haben, aber gewiss nicht verursacht, wie das
von interessierter Seite behauptet wird. Doch die Beschimpfung ist verräterisch.
"Dreckschweinerei" verbindet man ganz zutreffend mit Klärschlamm.
Die Schlammschlacht in der SVV Brüssow ist Produkt der Brüssower
Politik und Verwaltung, die Deponie-Diskussion in den nicht-öffentlichen
Teil der SVV zu verstecken, die nach Recht und Gesetz öffentlich
geführt werden muss. Der politische Skandal neben der Müllaffaire
ist das Schweigen und das Sich-weg-Ducken der Volksvertreter.
Wie lange noch schweigt die Kommunalaufsicht ?
Bernhard Nürnberger
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