Dokument 1

     
  Siegfried Bahnweg
Trampe 11
17326 Brüssow
Tel. 039742 80502
Stadtverordneter


Herrn Hartwig
Amtsleiter der Kreisverwaltung Uckermark
Karl- Marx- Straße 1
17291 Prenzlau

Brüssow, 22.09.2009

Informationspapier zur Altdeponie Brüssow

Sehr geehrter Herr Hartwig

Bitte gestatten Sie, dass ich mich kurz vorstelle: Ich bin Diplomingenieur, 64 jahre alt und 1998 von Berlin nach Brüssow gezogen. Seit September 2008 bin ich Mitglied der Stadtverordnetenver-sammlung der Stadt Brüssow/Uckermark.
In dieser Eigenschaft wende ich mich an Sie. In meinem Wahlbezirk befindet sich eine stillgelegte Mülldeponie der Stadt Brüssow. Die Bewohner teilten mir ihre diesbezüglichen Sorgen mit, es seien kontaminierte Klärschwämme überwiegend nachts verkippt worden.


In einer Anfrage an das Umweltbundesamt teilte mir Herr Prof. Dr. Troge folgende Empfehlung mit . Zitat: „..könnte eine fundierte historische Untersuchung für den Standort nachgeholt werden bzw. eine bereits bestehende Untersuchung vertiefend evaluiert werden. Hierbei können Be-fragungen von Zeitzeugen und Betriebsaufzeichnungen des Deponie-betreibers wichtige Anhalts-punkte für die bestehenden Verdachtsmomente liefern.“ Diesem Rat habe ich entsprochen und seit Oktober 2008 mich mit der Schließung der Mülldeponie befasst. Ich musste feststellen, dass sich nach Einsicht der vorhanden Akten, Recherchen und Zeugenaussagen sich die Verdachtsmomente der besorgten Einwohner mehr als bestätigt haben.

Grundlage und Richtlinie der Schließung der Deponie Brüssow war die Konzeption der Firma HYDROGEOLOGIE GmbH,Ingenieurgesellschaft für Grundwasser- Boden- Umwelt.

Folgende Tatsachen sind mir bekannt und wurden durch Recherchen bestätigt: Mit Beginn der Schließung der Deponie (März 1994 bis August 1996) wurde das Wachpersonal (Herr Wolfgang Völker) abgezogen, das geschah entgegen der in der Konzeption geforderten Überwachung.
Der damalige Umweltbeauftragte der Stadt Brüssow (Herr Dieter Krull) konnte keine einzige Probe von angelieferten Materialien auf den Lkws entnehmen, obwohl es in der Konzeption gefordert wurde, weil überwiegend spät in der Nacht angeliefert wurde. Es gibt kein einziges Dokument über eine Vorort geprüfte Ladung der Lkws.
Direkte Anwohner der Deponie berichteten, dass in der Deponie die angelieferten Materialien sofort mit vorhandenem Erdreich vermengt, und mit einer Planierraupe ins Deponieloch geschoben wurden. Auffällig erscheint auch, dass diese angeblichen toxikologisch unbedenklichen Klärschlämme von der Ortschaft Kamp - Lintfort nahe der niederländischen Grenze quer durch Deutschland, in die ca. 850 km entfernte unbewachte und unbeleuchte Deponie Brüssow gefahren und hier in der Nacht abgekippt wurden.
Offensichtlich wurde die vom Land geförderte Schließung der Deponie ggf. missbräuchlich dazu benutzt hier Abfallstoffe zu entsorgen.
Wenn es nur um die Verfüllung der Deponie gegangen wäre, hätte man aus der in 1,5 km Entfernung liegenden Kiesgrube das Erdreich holen können, es wären nur ein Bruchteil der Kosten angefallen (wie es in der Konzeption vorgeschlagen wurde).
Merkwürdig erscheint auch, dass die nachträgliche Bepflanzung mit etwa tausend Sträuchern nicht erfolgreich war und diese eingingen. Daraufhin wurde eine nochmalige Abdeckung mit ca. einem Meter gemischten Bauschutt durchgeführt (entgegen der Vorgabe aus dem Konzept, in der Mutterboden gefordert wurde). Die Klärschlämme waren breiig, was Bürger in Brüssw an der Tankstelle bei einem Tankstop auf der Ladefläche sehen konnten, laut Konzept durften in keinem Fall flüssige Materialien eingebracht werden. Bei einem Halt auf der Raststätte Wolfslake schwappte das Material aus einem LKW, sodass die Polizei hinzu gerufen werden musste.
Bemerkenswert erscheint mir, dass die Firma des Fuhrunternehmers Herrn Wolff die Schließung der Deponie durchführte, obwohl dem Amtsdiektor zu diesem Zeitpunkt bekannt sein musste, dass die Firma im Landkreis Templin bereits illegal Klärschlamm verkippt hatte (Schreiben von der HYDO-GEOLOGIE GmbH).(...)

Es gibt kein einziges Dokument über die zwingend halbjährlich vorgeschrieben Entnahme von Grundwasserproben (ebenso der jährlichen Inspektion des Deponieköpers). Auch die Form der Deponieoberfläche ist entgegen der Vorgaben und lässt das Oberflächenwasser, nicht wie vorgegeben am Deponiefuß einsickern, sondern direkt durch den Deponieköper. Es gibt nur Lieferscheinnachweise von ca. einem Zwanzigstel der abgekippten Menge (alle aus Kampt- Lintfort).


Noch eine Bemerkung, im Umweltamt des Kreises Uckermark habe ich mit dem Amtsleiter Herrn Hartwig einen aufgeschlossen Beamten angetroffen, sein Mitarbeiter Herr Droebes (ein Freund von Herrn Wolff) hatte in seiner Antwort auf meine Fragen falsche Angaben gemacht (die Firma. des Hauptauftragsnehmer Herr Wolff wurde wissentlich nicht genannt).

Herr Neumann, damaliger und heutiger Amtsdirektor der Stadt Brüssow hat nach ca zwei Monaten Verzögerungstaktik mir einen dünnen m. E. „gesäuberten“ Ordner im Beisein seiner Rechtsanwältin vorgelegt, wo nahezu kein Schriftverkehr vorhanden war (ich besitze mehr Unterlagen von der Kreis-behörde als das Amt).Auf meine schriftliche Nachfrage, ob es sich um den vollständigen Vorgang handelt, erhielt ich keine Antwort. Nach mehrmaliger Bitte um Antwort erklärte mir Herr Neumann persönlich, er habe keine Zeit für Spielchen und eine Antwort bekomme ich nicht.

Am 08.09.09(SVV) legte er für alle Stadtverordneten überraschend, am Beginn der Versammlung ein Schreiben vor, dass nicht bei der Akteneinsicht vorhanden war. Darin waren auch Textpassagen geschwärzt.

Während meiner Recherchen haben mir zahlreiche Bürger von Brüssow Zustimmung und Ermutigung zugesprochen. Nach so vielen Jahren kommen die Gerüchte in der Stadt nicht zur Ruhe. Auch deshalb halte ich es für angezeigt, dass die Angelegenheit aufgeklärt wird.

Kopien zu dem Schriftverkehr und der Akteneinsicht liegen bei mir vor.

Mit freundlichem Gruß

(Siegfried Bahnweg)